Wanderers siegen im extralangen Eishockey-Krimi

01.11.2015 um 21:39 Uhr von Markus Degenhardt

Foto: Richard Langnickel

Auf Auswärtsniederlage folgt Heimsieg gegen Geretsried

Eine regelrechte Magerkost bekamen die rund 150 Zuschauer – darunter rund 40 schwarz-gelbe Anhänger aus Germering – im ersten Spielabschnitt in Pfaffenhofen zu sehen. Beide Mannschaften tasteten sich lediglich ab, sodass echte Highlights ausblieben. Die wohl gefährlichste Torchance in den ersten 20 Spielminuten hatte auf Seiten der Gäste Nicholas Becker. Er verfehlte kurz vor dem Seitenwechsel knapp das Tor von ECP-Torhüter Andreas Banzer. Im Mitteldrittel sollten die Zuschauer schließlich Tore zu sehen bekommen. Das erste Tor gelang in der 24. Spielminute den Hausherren. Mit einem Mann mehr auf dem Eis ließ Marco Deubler das Netz zur 1:0-Führung zappeln. Begradigen sollte den Treffer kurz darauf J.C. Cangelosi. Er traf nur eine Minute später zum umjubelten Ausgleich. Zum Leid der Wanderers überschlugen sich in Folge die Ereignisse. Ein eigentlich fair geführter Zweikampf von Sven Schittenhelm wurde vom Schiedsrichtergespann als Strafzeit gewertet. Diese nahmen die „IceHogs“ dankend an und gingen durch ihren Kapitän David Vokaty erneut in Führung. Exakt zehn Minuten später sollten die Unparteiischen erneut in den Mittelpunkt geraten. Ein klares Icing der Hausherren wurde nicht geahndet, woraufhin ECP-Angreifer Andreas Tahedl die kurzzeitige Verwirrung der Weindl-Truppe eiskalt zum 3:1 ausnutzte. Zu allem Überfluss leistete sich kurz vor der zweiten Drittelpause die Wanderers-Defensive einen fatalen Aussetzer. Nicht zweimal bitten ließ sich Robert Gebhardt und fixierte die Hartgummischeibe ins rechte obere Eck. Mit einem Drei-Tore-Rückstand ging es für die Mannschaft um Kapitän Matthias Dosch schließlich in den letzten Abschnitt. In diesem ließ der ECP jedoch nur noch wenig anbrennen. Einzig Benedikt May konnte ein Zuspiel von Daniel Rossi zum zwischenzeitlich 2:4 aus Sicht der Gäste herbeiführen. Als zwei Minuten vor dem Ende dieses Ergebnis weiterhin auf der Anzeigetafel aufleuchtete, nahm Trainer Alfred Weindl Torhüter Timon Ewert zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Leider brachte diese Entscheidung nicht den gewünschten Erfolg. Stattdessen traf 46 Sekunden vor Schluss Pfaffenhofens Defensive-Mann Mathias Schuster ins leere Tor zum 5:2 Endstand. Der Sieg für die Gastgeber war letzten Endes verdient, da die Wanderers zu wenig für ihr Spiel taten. Coach Alfred Weindl zeigte sich nach Abpfiff unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft und forderte eine Leistungssteigerung zwei Tage später zu Hause gegen den ESC Geretsried.

Um den in den letzten Wochen hart erarbeiteten Anschluss an die oberen Tabellenplätze nicht zu verlieren, waren die Kreisstädter fast zum Siegen verdammt. Diesen fuhr die Weindl-Truppe letztendlich auch ein, verschenkte aber leichtfertig einen Punkt.   

Zu Beginn sahen die rund 250 Zuschauer im Germeringer Polariom einen Glanzstart der Hausherren. Nach bereits sechs Spielminuten bekommt US-Boy J.C. Cangelosi den Puck von seinem Teamkollegen Christian Czaika frei vor ESC-Torhüter David Albanese zugespielt und ließ seinem Gegenüber keine Chance. Einen weiteren Solo-Lauf sollte Cangelosi in der 16. Spielminute zum Jubel der schwarz-gelben Anhänger verwandeln. Eine Minute später konnten die Wanderers sogar noch einen draufsetzen. Kapitän Matthias Dosch höchstpersönlich traf von der blauen Linie zum 3:0. Die postwendende Antwort hatten die „RiverRats“ jedoch in Person von Kontingentspieler Ondrej Horvath noch vor der Pause parat. Der zweite Durchgang startete mit einer Strafzeit für den Gastgeber. Profit daraus schlagen sollte erneut Horvath - mit einem Mann mehr auf dem Eis traf er zum zwischenzeitlichen 3:2. Den alten Spielabstand wiederherstellen konnte dann Angreifer Daniel Rossi. Matthias Götz bewies ein gutes Auge und setzte den Mann mit der Nummer 18 passend in Szene, der Albanese mit einem platzierten Schuss keine Chance ließ.  Mit einer komfortablen 4:2-Führung im Rücken verabschiedeten sich die Wanderers schließlich zum zweiten Mal in die Kabine. Wer zu diesem Zeitpunkt dachte, dass diese Führung sicher über die Zeit gebracht werden konnte, wurde bitter enttäuscht. Denn die Gäste aus Geretsried legten im Schlussabschnitt noch einmal alles in die Waagschale und erhöhten mächtig die Drehzahl. Jubel keimte im ESC-Lager in der 52. Spielminute auf. Dieser verstummte jedoch kurze Zeit später, da der Anschlusstreffer mit der Hand ins Tor von Torhüter Severin Dürr fixiert wurde. Keine Minute später durften die Auswärtsfans trotzdem laut aufschreien. Zum dritten Mal an diesem Abend traf der Tscheche Ondrej Horvath und brachte seine Mannschaft mit 4:3 heran. Danach entwickelte sich die Partie zu einem regelrechten Eishockey-Krimi. Die Mannschaft aus dem Landkreis Bad Tölz pochte nun auf den Ausgleichstreffer und beschäftigte die Hintermannschaft der Wanderers fast im Minutentakt. Immer wieder entschärfen musste in diesen Situationen Goalie Severin Dürr, der seine Mannschaft bis kurz vor Schluss vor einem Unentschieden bewahrte. Eine unnötige Strafzeit der Wanderers 20 Sekunden vor dem Ende sollte Geretsried noch einmal Hoffnungen auf einen Punktgewinn machen. Durch die Herausnahme ihres Torhüters agierte der ESC in den Schlusssekunden in doppelter Überzahl. Alle Bemühungen sollten vier Sekunden vor dem Ertönen der Schlusssirene belohnt werden. RiverRats-Angreifer Martin Köhler ließ die Hartgummischeibe hinter Dürr zappeln und sicherte seiner Mannschaft einen hart erkämpften Punkt. In der anschließenden Verlängerung war für Spannung reichlich gesorgt. In Unterzahl gelang es Christian Czaika, die Scheibe zu ergattern, und er lief alleine auf den Schlussmann der Gäste zu, fand jedoch in diesem Duell seinen Meister. Als wenige Minuten später in einer immer ruppiger werden Partie die Emotionen ihren Höhepunkt erreichten, ließ sich Czaika zu einem Faustkampf-Duell mit Jonas Köhler ein. Die Folge war eine Spieldauerdisziplinarstrafe, die eine Sperre im nächsten Spiel garantiert. Den Siegtreffer am Schläger hatte wenige Sekunden vor dem Ende J.C. Cangelosi, er verfehlte das Tor vom bereits geschlagenen David Albanese jedoch um wenige Zentimeter. Da in der Verlängerung kein Sieger ermittelt wurde, ging es für die Wanderers zum ersten Mal in dieser Saison in das Penaltyschießen. Hier sollte der Zusatzpunkt im sechsten Durchgang schließlich endlich vergeben werden. Verteidiger Markus Koch bereitete dem Nervenkitzel ein Ende und traf zum umjubelten Siegtreffer.

Das nächste Heimspiel der Wanderers findet bereits kommenden Freitag statt. Pünktlich um 20:00 Uhr sind die „Pirates“ aus Buchloe zu Gast im Germeringer Polariom. Zwei Tage später steht der Weindl-Truppe ein weiter Anfahrtsweg zum Auswärtsspiel in Pegnitz bevor.