Kampfgeist wird nur mit einem Punkt belohnt

09.11.2014 um 20:55 Uhr von Markus Degenhardt

Foto: Richard Langnickel

Wanderers holen ersten Auswärtspunkt

„Das Einzige, was ich meiner Mannschaft heute Abend ankreiden kann, ist ihr Überzahlspiel. Daran müssen wir arbeiten“, so Trainer Sebastian Wanner nach der heimischen Pressekonferenz gegen Dorfen. Am Kampfgeist lag es an diesem Abend wahrlich nicht. Am Ende wurde erneut die düstere Chancenverwertung zum Verhängnis. Situationen mit einem Mann mehr auf dem Eis gab es vor allem im ersten Spielabschnitt zur Genüge. Ganze acht Spielminuten in Powerplay konnten nicht genutzt werden, um die Hartgummischeibe gefährlich vor ESC-Torhüter Andreas Tanzer zu bringen. Vom Glück reden kann man, dass auch die Gäste in den ersten 20 Minuten nicht sonderlich am Toreschießen interessiert waren. Die Folge: ein magerer 0:0 Pausenstand und die verpasste Chance, mit einer Führung in das Mitteldrittel zu starten.

Denn dieses wurde torreich! Jubeln durften die rund 50 mitgereisten ESC-Fans in der 24. Spielminute. Spielertrainer Thomas Vogl brachte seine Farben in Führung und konnte wenig später erneut Freudenschreie ausstoßen. Andreas Attenberger sorgte drei Minuten darauf nicht nur für den 0:2 Rückstand der Wanderers, sondern auch für betrübte Gesichter unter den rund 350 Fans im Germeringer Polariom. Viele Anhänger stempelten die Partie wahrscheinlich schon als verloren ab, machten die Rechnung jedoch ohne Dominik Bahner (33. Min.) und Moritz Lieb (34. Min.). Denn sie waren es, die innerhalb von 39 Sekunden die Partie wieder völlig offen gestalteten. Mit einem regelrechten Doppelschlag entfachten sie nicht nur auf dem Eis neue Euphorie. In den restlichen Spielminuten des 2. Drittels gab die Truppe vom Kapitän Christian Czaika noch einmal alles, um das Spiel sogar noch zu drehen. Eine gute Möglichkeit dazu hatte kurz vor dem zweiten Pausentee Verteidiger Mathias Jeske. Mit einem Gewaltschuss zwang er Tanzer zu einer Blitzreaktion, mit der er das 2:2 in die Pause rettete.

Als „Euphoriebremse“ erwies sich 22 Sekunden nach Wiederbeginn erneut Spielertrainer Thomas Vogl. Er ließ kurzzeitig viele Siegesträume der Hausherren platzen. Doch diese hatten die richtige Antwort schnell parat. Nicht einmal zwei Minuten später ließ Daniel Rossi die Torsirene läuten. Der wiedergenesene Stürmer bestritt sein erstes Bayernliga-Punktspiel nach einer langen Verletzungspause und stocherte den Puck in einer unübersichtlichen Situation vor Tanzer über die Torlinie. In den restlichen Spielminuten war nun also reichlich Spannung garantiert. Lange Zeit sah es danach aus, dass sich beide Mannschaften mit einer Punkteteilung abfinden müssen, was dem Spielverlauf auch sicherlich gerecht geworden wäre. Leider hatte ein Spieler der Gäste etwas dagegen. Alexander Rauscher wurde auf Seiten der Gästen umjubelter Held des Abends. Exakt drei Minuten vor Spielende trug er sich in die Torschützenliste ein und sicherte sich zur Freude seiner Mannschaft drei Punkte. Dementsprechend geknickt verließen die Spieler von Trainer Sebastian Wanner das Eis, die von ihren Fans mit Applaus für ihre Leistung verabschiedet wurden.

In Pfaffenhofen begann die Partie ganz nach dem Geschmack der rund 30 mitgereisten Wanderers-Fans. Nach nur 37 Sekunden fälschte Harald Nuss einen Schuss von Mathias Jeske unhaltbar in das Tor von den „IceHogs“ ab. Mit der Blitz-Führung im Rücken konnte die Mannschaft um Kapitän sogar kurz darauf nachlegen! In der 4. Spielminute zeigte Daniel Rossi, wie wichtig sein „Comeback“ für die Mannschaft ist. In Überzahl machte er den Traumstart für seine Farben perfekt und sorgte für beste Laune auf der Gästetribüne. Leider wurde der Freudentaumel recht schnell unterbrochen. Zwei Minuten nach der 2:0 Führung gelang den Hausherren der Anschlusstreffer. Noch im selben Drittel konnte der ECP sogar den Ausgleich erzielen. Schuster nutzte einen Aussetzer der Wanderers-Defensive sieben Minuten vor dem ersten Pausentee gnadenlos aus. Im zweiten Spielabschnitt kamen die Gastgeber zu mehr Möglichkeiten. Geschuldet war das vor allem durch Strafzeiten der Wanderers, die in Unterzahl jedoch wenig zuließen. In den letzten 20 Spielminuten war es dann genau umgekehrt. Das Chancenplus gehörte klar den Gästen. Jedoch scheiterten diese immer wieder am Schlussmann der Gastgeber. Auch ECP-Trainer Topias Dollhofer gab auf der anschließenden Pressekonferenz zu, dass ein Sieg der Wanderers durchaus nicht unverdient gewesen wäre. Doch stattdessen ging man in das ungeliebte Penaltyschießen, in dem man erneut den Kürzeren zog.

Am Ende eines hart umkämpften Wochenendes muss man sich im Wanderers-Lager mit einer mageren Punkteausbeute zufriedengeben. Mit einer besseren Chancenverwertung und dem fehlenden Quäntchen Glück wäre vielleicht der ein oder andere Punkt mehr möglich gewesen. Trotzdem gibt die gezeigte Leistung Mut für die kommenden Aufgaben. Am Freitag geht es für die Wanner-Truppe zum Schlusslicht nach Nürnberg. Am Sonntag ist dann im Polariom „Derby-Time“ angesagt! Gegen den HC Landsberg wird erneut mit einer tollen Zuschauerkulisse gerechnet. Spielbeginn ist diesmal um 18:00 Uhr.